1001 Eichen

eichen

Aktion während der Landesweiten Kunstschau 2014 im Naturerbe Zentrum Rügen in Prora
01.08. – 07.09.2014

Die Eiche steht als Lebensbaum symbolisch für die Ewigkeit und ist in der Romantik das Gleichnis für Treue und Beständigkeit.
Für Caspar David Friedrich bildete die Eiche, ob abgestorben oder winterlich kahl, ein regelmäßig wiederkehrendes Sujet. Er thematisierte in seinem Werk in heidnischer Naturergebenheit immer wieder die Botschaften von Vergehen und Erneuerung. Doch seine Motive sind ein Idealbild, ein romantischer Traum.
Zu seiner Zeit waren die Wälder durch lange Übernutzungsphasen dezimiert. Die Forstleute standen um 1800 vor der großen Herausforderung, die Entwaldung des Landes rückgängig zu machen. „Nicht mehr Holz fällen als nachwächst“ war ihre Vision für einen leistungsfähigen, „ewigen Wald“.
Die fünf in der Ausstellung zu zeigenden „tausendjährigen“ Eichen aus dem Tiergarten in Ivenack sind, durch die Anlage des Wildgeheges, schon rund 100 Jahre vor der Romantik gesichert worden. Der Schutz geschah zu einer Zeit, als in Europa das erste Mal durch Hans Carl von Carlowitz der Raubbau an der Natur thematisiert und damit die Grundlage für die moderne Forstwirtschaft gelegt wurde.
Der dann von Johann Heinrich Campes im Jahre 1809 eingeführte Begriff der “Nachhalt“ gibt eine komplexe Antwort auf die Problematik: „woran man sich hält, wenn alles andere nicht mehr hält.“ Der Raubbau an den natürlichen und gesellschaftlichen Ressourcen hält bis in unsere heutige Zeit an, mit absehbaren Folgen. Nachhaltigkeit ist nicht mehr das Steckenpferd einiger weniger. Sie ist - mit dem Wissen, dass sich die „Blue Marble“ auch ohne uns im Kosmos weiter drehen würde - eine Überlebensstrategie.
Die 1.000 Eichensämlinge sind damit weniger eine Interpretation der Romantik, als eine Aufforderung an jeden Rezipienten die Nachhaltigkeit des eigenen Handelns zu hinterfragen. Dieser langsam wachsende Baum bietet sich dazu förmlich an, da Nachhaltigkeit vor allem Stabilität durch Systemregeneration bedeutet.
Die mythische Aufladung der Romantik bewusst außer acht lassend, steht die Reflexion der alltäglichen Romantik, des kleinen Glücks also, im Vordergrund der Überlegung. Jeder Besucher kann hier durch den Erwerb einer Eiche aktiver Teilnehmer sein…
Die selbst gepflanzte Eiche - eine Mitgift an künftige Generationen.
(29.07.2014)