Gravuren

Gravuren II

Der Ausgangspunkt der Überlegungen zu dieser Serie war die Bemerkung eines Betrachters meines Horizont-Zyklus: “Eigentlich bilden Sie hier doch ökologische Katastrophen ab …”
Die daraufhin entstandenen Arbeiten sind der Versuch, der ausgeräumten Landschaft ihre Schönheit zurück zu geben.
Die Kollektivierung der Landwirtschaft vor mehr 50 Jahren dezimierte die Reichhaltigkeit der Natur in Mecklenburg. Die verlorene Varietät der Kulturlandschaft versuche ich durch eigene Visionen auszugleichen: Die Gravuren werden beherrscht von überzeichneten Kontrasten und grafischer Strenge. Der Betrachter hat die Möglichkeit, dem Verlust an kulturellen Werten nach zu spüren.

Abb. Gravuren II, C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 40 x 80 cm, 2012

Gollwitz

Gollwitz 1

Was ist diesem Strand an der Ostsee fotografisch abzuringen?
Es ist ein Steinstrand, der in Mecklenburg-Vorpommern nicht oft vorkommt. Ein Ostseemotiv, das nicht das gängige Klischee von Sand und Strandkorb bedient: keine Muscheln, keine Wellen.
Die Arbeiten schaffen ein anderes Bild von der Ostsee – eine harsche Landschaft, gegen die romantische Idealisierung des ewig gleichen Liedes der an den Strand schlagenden Wellen.
In induktiver Arbeitsweise erlief ich mir dieses Stück Natur und war begeistert. Dort wo andere achtlos weitergehen, habe ich Motive wie diese Mondlandschaft entdeckt. Durch die starken Bildkontraste wurde das Wesentliche herausgefiltert und eine perfekte Klarheit geschaffen. Einen Minimalismus der Tiefe. Nichts Überflüssiges, ohne jeden Tamtam.
Am Gollwitzschen Schuttrand der eiszeitlichen Moräne nagt die See. Die lockeren Steine werden von den Wellen bewegt und in einem lang anhaltenden Prozess zerkleinert. Das Substrat ist dann so fein, dass das Wasser den Sand immer wieder aufnimmt, sortiert und erneut ablagert.
Die auf den großformatigen SW-Fotografien abgelichtete Natur fühlt sich anders als vertraut an. Man braucht Zeit, sich die Bilder zu erschließen. Sie verweigern sich dem flüchtigen Blick. Der Betrachter muss sich langsam herantasten, sich orientieren. Erst dann öffnet sich die Tiefe der Bilder.
Das flach stehende Licht schafft Kontraste aus Schwarz und Weiß. In der Bildnachbearbeitung wurde dieser Eindruck durch die Tonwertverschiebung, bis hin zum Verzicht auf die Grauabstufung, weiter verstärkt.
Auf der Suche nach dem kurzen Moment völliger Windstille bei unmerklichem Tidehub, interessiert mich dieser Augenblicke der Ruhe am Beginn und am Ende des sommerlichen Tages. Das immer gleiche typologische Schema der Arbeiten versucht die Kontinuität von Sonnenauf- und -untergang aufzunehmen und dadurch den fragmentarischen Charakter der Fotografie aufzuheben.

Abb. Gollwitz 2, C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 100 x 100 cm, 2013

Horizonte

  • Horizont 18
  • horizonte
  • horizonte
  • horizonte

Die Motive für die Serie „Horizonte“ befinden sich vor meiner Haustür. Sie sind alle im Umkreis meines Wohnortes Woserin im Sternberger Seenland entdeckt.
Die Drucke sind anonymisiert und mit römischen Zahlen gekennzeichnet. Es geht nicht um Wiedererkennung. Nicht Dokumentation, sondern vielmehr das Innehalten, das Nachspüren eines Moments sind das Anliegen.
In dieser eiszeitlich geprägten Landschaft kann man bis zum Horizont schauen – Weite, Raum zum Atmen. Je weiter man nach Norden kommt, desto mehr Himmel ist zu erleben. „Achtzig Prozent der Landschaft sind Himmel“ lässt Christa Wolf eine Figur in ihrer Erzählung „Sommerstück“ sagen, das in dieser Gegend spielt.
Die „Horizonte“ der Serie entstehen aus der realen Endmoräne und ausgewählter Stimmung. Die Motive sind nicht zufällig entdeckt. Meist ist schon vor der „Pirsch“ eine Vorstellung vorhanden: Bei -10°C und Raureif ist der perfekte Tag für diese und jene Hangkante. Auf solche Momente diszipliniert zu warten, lohnt auch jahrelang.
Vor allem im Winter finde ich die Szenerie auf das Wesentliche reduziert. Sie wirkt sparsam, ausgeräumt und beinahe spröde. Die Kargheit der mecklenburgischen Landschaft wird auf die Spitze getrieben. Diese Überhöhung gibt den Bildern ihre Symbolkraft.
Die scheinbar immer gleichen Landschaftselemente Felder, Wälder und die Ausrufezeichen setzenden Solitärs immer neu zu entdecken, macht den Reiz aus.
Die somit unterschiedlichen Arbeiten werden durch die Stille in der althochdeutschen Interpretation von „Laut- und Bewegungslosigkeit“ zusammengehalten. Die Prozesse der Natur scheinen angehalten und auf den Moment reduziert. Als wäre dieser Moment Ewigkeit.

Abb. Horizont XVIII, Pigmentdruck auf Baumwollpapier, i.O. 30 x 40 cm, 2009

Der Traum

der traum 2

Es ist jedes Mal das gleiche Bild, ein großer runder Tisch in der Sonne. Der Tisch ist zu dieser nachmittäglichen Stunde voll besetzt. Eine Oma (vielleicht meine Oma) mit gesteifter Schürze agiert eifrig, sie schneidet Blechkuchen auf. Die handlichen Stücke – mit vielen Äpfeln drauf – wandern in kleine und gierig schmatzende Kindermäuler. Es wird gelärmt und Kakao getrunken.
Es ist jedes Mal schönes Wetter. Vielleicht liegt es auch nur an der Erinnerung? Da ist schließlich auch jedes Mal schönes Wetter. Die unendlich langen Sommerferien, die glücksseeligen Momente mit baden und toben. Die unendlich langen Stunden auf dem Holzfloß. Der große Garten mit seinen unüberblickbaren Ecken.
Es ist jedes Mal die selbe Decke, die uns im Apfelbaum sitzend vor der Sonne schützt. Unsere Baumhütte, mit Ausguck und Rückzugsmöglichkeit. Es ist jedes Mal der gleiche Ruf, der uns das Ende des täglichen Spiels ankündigt. Trotz sinkender Sonne überrascht uns Dieser immer wieder aufs neue.
Es ist jedes Mal das selbe dicke Märchenbuch vor dem einschlafen. Es hat unendlich viele lustige, spannende oder auch gruselige Geschichten parat, und immer gewinnt am Ende das Gute.
Es ist jedes Mal das gleiche Geräusch der ächzenden Dielen in dem alten Haus. Oma kommt und will uns wecken, mit uns den neuen Tag begrüßen. Aus dem Fenster schauen und feststellen, dass wieder das herrlichste Badewetter ist.

Abb. Der Traum 1, C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 105 x 140 cm, 2014

Nachhalt

  • nachhalt 1
  • ivenacker eichen
  • ivenacker eichen

Die Eiche steht in der Romantik als Lebensbaum symbolisch für die Ewigkeit und wird verstanden als Gleichnis für Treue und Beständigkeit.
Der in Greifswald geborene Maler Caspar David Friedrich verwendet die Eiche, ob abgestorben oder winterlich kahl, als ein wiederkehrendes Sujet. Er thematisiert auf diese Weise, anknüpfend an die heidnische Naturergebenheit, die Botschaft vom Werden und Vergehen (Goethe). Doch seine Landschaften sind eine räumliche Idealisierung, die es schon zu Friedrichs Zeiten nicht mehr gab. Ein romantischer Traum.
Bereits damals wurden die Wälder schonungslos ausgenutzt – gerodet für Schiff- sowie Bergbau, für die Glasproduktion und zur Feuerung. Die Forstleute waren um 1800 herausgefordert, der Entwaldung des Landes entgegenzuwirken. „Nicht mehr Holz fällen, als nachwächst“, hatte Hans Carl von Carlowitz bereits 1713 in dem Werk „Sylvicultura oeconomica“ seine Vision proklamiert. Er wollte sichern, dass der Wald von Bestand ist und zum „ewigen Wald“ wird. Er erörtert den Raubbau an der Natur und legte damit die Grundlage für die moderne Forstwirtschaft in Europa.
Die fünf im Rahmen der landesweiten Kunstschau „Ins Blaue“ des Künstlerbundes M-V gezeigten „tausendjährigen“ Eichen stehen im Tiergarten in Ivenack. Sie blieben vor dem Abholzen geschützt, weil sie zur Anlage eines Wildgeheges gehörten. Sie sind eine Sensation.
Joachim Heinrich Campe führte im Jahre 1807 in dem von ihm herausgegebenen Wörterbuch der deutschen Sprache erstmals den Begriff der „Nachhalt“ ein und erklärte ihn mit den Worten: „woran man sich hält, wenn alles andere nicht mehr hält.“
Der Raubbau an den natürlichen und gesellschaftlichen Ressourcen hat sich in unserer Zeit potenziert; mit verheerenden Folgen, die alle sehen. Nachhaltigkeit ist nicht mehr das Steckenpferd Einzelner. Sie ist – mit dem Wissen, dass sich die „Blue Marble“ auch ohne uns im Kosmos weiterdrehen wird – eine Überlebensstrategie.

Abb. Nachhalt 1, C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 120 x 100 cm, 2014

Schneeweiss

  • schneeweiss 2
  • kirsche

Der Zyklus „Schneeweiß“ ist angeregt durch den Erlebnisbericht „Terre des hommes“ des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry aus dem Jahr 1939.
Der Franzose arbeitete zuerst als Postpilot und später als Luftkurier im Spanischen Bürgerkrieg. Hoch oben im Himmel war er Grenzsituationen ausgesetzt, die ihn zu philosophischen Fragen nach der Bestimmung des Menschen inspirierten. Er vertritt die Ansicht, dass Vollkommenheit in der Beschränkung auf das Notwendige zu erreichen sei.
Diese Anschauung von der Welt setzte ich in der Bildsprache meiner Arbeiten um. Kargheit ist der eigentliche Reichtum.
In dieser Serie versuche ich pathetisch auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu antworten.
Ich gebe dem Himmel eine eigene Farbigkeit und damit eine eigene Lebendigkeit. Weiß wird der Schnee durch den Kontrast, den das Grau des Himmels stiftet. Es verleiht dem Schnee das Weiß. Die Grautöne spielen die Dramatik des Himmels. Sie machen den Schnee so weiß – als wäre er die unbefleckte Unschuld.
Ungetrübtes Weiß gegen in Dramatik getränkten Himmel. Ich inszeniere die Kontraste zwischen Himmel und Erde. Jeder Winter bringt diese neue Unschuld. Man kann sich darauf verlassen, dass sie wiederkehrt.
Die Abfolge der Jahreszeiten sind die Gewissheit.

Abb. Schneeweiss #1, C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 70 x 100 cm, 2012

Westwärts

  • westwärts
  • darsser wald

Wo findet sich in Deutschland noch ein urwüchsiger Wald, der sich im Gegenlicht derart geheimnisvoll und mystisch ausnimmt?
Eiszeitlich geprägt, ist der Darßwald ständigen Veränderungen unterzogen. Jedes Jahr bricht durch die Naturgewalten von Wind und Meer ein Stück vom Hochufer ab. Die Strömung trägt den Sand nach Norden hinter den Darßer Ort.
Die am Ufer stehenden halbhohen Buchen sind seit Jahrzehnten der Windschur ausgesetzt. Vor dem Wind geduckt, steigen ihre Wipfel von West nach Ost allmählich an und bilden ein schier undurchdringliches Dach.
Aus der verwunschenen Finsternis der Buchen tritt man an der Kante des Hochufers ins Licht. Die Bäume teilen sich. Das Meer schimmert hoffnungsvoll am Horizont. Der Geruch von Moder und Kien mischt sich mit dem des Salzes.
Das Schwarz-Weiss der Drucke widerspricht dem Urlaubsklischee. Hier gibt es keine Zivilisation, alles was der Tourist braucht, scheint Unendlichkeiten entfernt. Strandkorb, Kurkapelle und Animation sucht man vergeblich.
Die diffuse Darstellung der fünf Motive der Serie „Westwärts“, mit wenig Tiefenschärfe und unterbelichtet fotografiert, lässt die Szenerie unheimlich erscheinen. Der Genius loci ist treffend eingefangen, hier am Rande des Darßwaldes, diesem unwirklichen und zuweilen gespenstischen Ort. Es ist moosig, moorig, morbide – die Bäume sind knorrig. Es knarzt und knackt ...

Abb. Westwärts 1, Pigmentdruck auf Baumwollpapier, i.O. 40 x 50 cm, 2014

Klit

  • klit
  • dänische nordseeküste
  • dänische nordseeküste

An der dänischen Nordseeküste erstreckt sich eine einzigartige Dünenlandschaften. Unter dem Arbeitstitel „KLIT“ (dänisch für Düne) habe ich dieses an einigen Stellen mehrere hundert Meter breite und oft noch ungestörte Biotop beobachtet.
Nach Heraklits „ewigem Werden und Wandeln“ hält die Landschaftsfotografie immer nur den augenblicklichen vegetativen Zustand fest. In dieser Serie wird dabei der flüchtige Eindruck der Materie durch die Überbelichtung der großformatigen Fotografien verstärkt. Jeden Moment kann sich die Szenerie ändern.
Die abgelichteten Weißdünen, in einer Anordnung von zwei Dritteln Quarzsand und etwa einem Drittel Pflanzenbewuchs, sind einer ständigen Erosion ausgesetzt. Der Wind verweht und lagert ab. Ein endloser Transformationsprozess, der die unregelmäßigen Formen aus Bergen und Tälern entstehen lässt.
Es geht die Düne hoch, die Düne runter ... Mit Steigungen von bis zu 150% bilden die Anhöhen ein schwieriges Terrain. Es gibt Anstiege wie im Hochgebirge, die nicht so lang aber genauso steil sind.
Der spärlich wachsende Strandhafer siedelt als Pionier im Sand und verfestigt die Düne. Wenn der Sand rutscht und die Soden einzeln den Hang hinab gleiten, suggerieren sie aus der Ferne einen Himmel aus dunklen Cumulus-Wolken und bilden so einen starken Kontrast zum hellen Sand.

Abb. Klit 2, C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 120 x 180 cm, 2014

Endmoräne

  • mecklenburgische endmoräne
  • mecklenburger endmoräne

Die verschiedenen Stadien der Eiszeit haben die Mecklenburger Landschaft geprägt.

Abb. Waldrand, C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 100 x 150 cm, 2015

Wege übers Land

kopfweide

Wer in Mecklenburg-Vorpommern über Land fährt, findet nur noch vereinzelt Kopfweiden. Diese Landschaftsbild-prägenden Bäume waren früher typisch für den Norden. An Wegrändern, fast jedem Graben fand man Reihen von Kopfweiden. Gesteckt wurden sie seinerzeit durch ein Dekret zur Beförderung der Weidenzucht von 1769 des Landesfürsten Friedrich von Mecklenburg, das massenhaft den Anbau und die Nutzung verordnete.
Als Fotograf unserer eiszeitlich geprägten Kulturlandschaft ist mir die Kopfweide bereits vor Jahren in der Belletristik begegnet. Nach Zitaten suchend, die hier in Mecklenburg bzw. über diese Landschaft geschrieben wurden, entdeckte ich „Wege übers Land“ von Helmut Sakowski wieder. Thematisch fündig wurde ich in „Daniel Druskat“: Ich finde, Weiden sehen wunderschön aus, und in ein paar Jahren, Jugendfreunde, wird auf jedem Weidenkopf ein Entenpärchen brüten!
Heute sind diese Lebensräume bedroht, denn die nur durch die Nutzung des Menschen entstandene Kopfweide ist aktuell wirtschaftlich nicht mehr interessant. Wo früher durch den regelmäßigen Rückschnitt Flechtruten, Brennmaterial oder Besenstiele gewonnen wurden, ist scheinbar allein die Romanik geblieben. Wer soll heute diese wirtschaftlich uninteressante Arbeit machen und die Kopfweiden schneiden? Sicher, sie sind ein Refugium der Natur und schon daher erhaltenswert, aber wenn in der Gegenwart die traditionelle Nutzung entfällt, hat das eben unweigerlich Konsequenzen.
Meine Herangehensweise beim Fotografieren bedarf der Recherche nach geeigneten Orten sowie Überlegungen zu weiteren einwirkenden Komponenten wie Jahres- und Tageszeit. Auf meinen Fahrten über Land hielt ich dazu in den herbstlichen Monaten nach Kopfweiden Ausschau. Auf dem Weg zu einer Freundin fand ich eine kompakte Reihe: Akkurat ausgerichtet stehen sie an einem Landweg in Richtung Bahndamm. In Habitus und allgemeinem Zustand waren sie in etwa das, was ich mir vorstellte – ein lohnendes Setting für die kalte Jahreszeit.
Der Winter kam und hatte, wie so oft, seinen Namen nicht verdient. Es war ein Warten auf Schnee in diesem letzten, sehr milden Winter.
Bislang verweigerte ich mich der unsportlichen Variante namens digitale Manipulierung konsequent. Somit blieb also nur das Warten auf Schnee. Um den Jahreswechsel herum fiel im heimischen Sternberger Seenland genug davon um loszufahren. Der Wetterbericht versprach mir allerdings nur ein Zeitfenster von wenigen Stunden. Was ich in der entstehenden Hektik außer Acht ließ, war die Frage nach der gleichen Schneedicke am 50 Kilometer entfernten Ort.
Angekommen, war meine Enttäuschung groß: Es lag nur wenig Schnee. Fest gewillt, die Anfahrt nicht umsonst gemacht zu haben, schulterte ich meine schwere Ausrüstung. Den Weg zur Weidenreihe lief ich für Fotoapparat, Nodalpunktadapter, Stativ und Leiter zwei Mal.
Bei jedem einzelnen Baum war dieselbe Prozedur erforderlich: Zuerst musste ich beim Aufbau der Technik für Standsicherheit sorgen. Nun war die Wahl des Bildausschnittes sehr wichtig, um später am Computer durch Korrekturen keine Daten zu verlieren. Das Warten auf das gewünschte Licht und das Hoffen auf den Moment der absoluten Windstille schloss sich bei jedem Motiv aufs Neue an. Mit bis zu 15 Einzelaufnahmen pro Baum nahm ich jede Weide auf. In diesem Prozess nur bei einer dieser Aufnahmen einen Fehler zu machen, bedeutete: Ich verliere das ganze Motiv!
Später am heimischen Computer ist alles anders. Die Anspannung, Fehler zu machen die nicht mehr korrigiert werden können, löst sich und wird von einer Neugierde beim Sichten und zusammensetzen der Aufnahmen abgelöst. Vom Chip meiner Kamera holte ich 15 abgelichtete Weiden, nicht jede wird es später in den Zyklus schaffen.
Dem schließt sich ein wochenlanger Prozeß der Bearbeitung jedes einzelnen Motives an, verknüpft mit tagelangem Sinnieren. Jeden Zweig der ersten Weide arbeitete ich heraus – und erhielt so dessen bestechende Kontur. Mit jedem Fragment wuchs der Baum, jede einzelne Rute trug zum Gesamtbild bei.

Abb. Kopfweide, C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 150 x 130 cm, 2015

Die Kraniche sind anderswo

  • schaukel
  • winterwald
  • Pause, Winter

Die Zeit scheint angehalten,
Ruhe legt sich auf alles.
Es ist die Stille, die gibt und nimmt.

Die Gedanken suchen und
schweben zwischen Erwartung und Absage.
Es ist der Moment, der Raum für Eigenes lässt.

Der Ort liegt kahl,
der Lebenswille schweigt.
Es ist die Kraft, die neuen Atem schöpft.

Abb. Die Kraniche sind anderswo 3, Pigmentdruck auf Baumwollpapier, i.O. 20 x 20 cm, 2016

Korn aus Sand

  • weide am horizont
  • Schwalben
  • welle

Sommerzyklus

Abb. Pigmentdrucke auf Baumwollpapier, 15 Motive i.O. zwischen 40 x 60 und 11 x 21 cm, 2016

Orientierung

  • Luther, Reformation, Überbelichtung
  • Luther, Reformation, Überbelichtung

Die fotografische Arbeit zur Serie Orientierung entstand innerhalb eines gesamten Tagesaufenthaltes in der Rostocker Nikolaikirche, im Frühsommer 2016. Es waren sonnige Stunden, bei denen das Licht sich um die Kirche drehte. Ein Tag, an dem Licht, Raum und Zeit als fotografische Bestandteile spürbar zusammenkamen.
Die Motive wurden überbelichtet aufgenommen, um so die Metapher vom „Licht der Welt“ aufzugreifen. Die dadurch entstandene Reduktion des Beobachteten ist nicht auf räumliche Dokumentation aus. Es geht viel mehr um den nach Osten ausgerichteten Raum, in dem sich Glaube, Hoffnung und Liebe, aber auch Irrungen über viele Jahrhunderte hinweg verdichteten.
Der vorherrschend lucide Ton der Arbeiten gibt in abstrakter Andeutung nur wenige Konturen des Raumes frei. Die Absenz von Altar, Taufbecken oder Kanzel durchbricht die stereotypen Erwartungen an diesen sakralen Ort, der 1974 umgewidmet wurde.
Im semantischen Weglassen liegt für den Betrachter die Möglichkeit einer eigenständigen Motivdeutung. Beim Spüren des Genius Loci ist eine Orientierung zwischen Vergangenheit und Gegenwart möglich.

Abb. Orientierung 6, C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 120 x 100 cm, 2016

Birken

birke, fotokunst, art

dreiteilige Serie

Abb. C-Print auf Alu-Dibond, i.O. 185 x 100 cm, 2017